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Pressemitteilung |

Europäische Bahnreisende leiden unter schwachen Fahrgastrechten

Neue Analyse zeigt: Reisende bleiben bei verpassten Anschlüssen häufig auf erheblichen Zusatzkosten sitzen / EU-Kommission will das ändern, doch der eigentlich starke Vorschlag greift auf vielen stark nachgefragten Auslandsrouten nicht / Bundesregierung muss Druck für Stärkung europäischer Fahrgastrechte machen

Berlin/Brüssel (25. Juni 2026). Bahnreisende in Europa haben nicht nur Schwierigkeiten, Tickets für Auslandsreisen zu buchen, sie haben auch zu wenig Schutz bei Verspätungen: Auf 40 Prozent der beliebtesten grenzüberschreitenden Routen (gemessen am Flugaufkommen) haben Bahnreisende bisher im Falle einer Verspätung keine garantierten Fahrgastrechte. Das zeigt eine neue Analyse des Dachverbands Transport & Environment, bei dem Germanwatch Mitglied ist. Im Durchschnitt müssen Reisende bei verpassten Anschlüssen deshalb mehr als die Hälfte ihres Ticketpreises draufzahlen, um an ihr Ziel zu kommen.

Um Bahnbuchungen zu vereinfachen und Fahrgastrechte zu garantieren, hat die Europäische Kommission jetzt einen eigentlich starken Vorschlag vorgelegt. Sie will zum einen marktdominante Plattformen wie den DB Navigator dazu verpflichten und unabhängigen Plattformen ermöglichen, alle Bahnangebote aller Betreiber in ihrem Heimatmarkt als „Single Ticket“ zu verkaufen. Zum anderen will sie Reisenden mit einem „Single Ticket“ bei Zugverspätungen ein gesetzlich verankertes Recht auf kostenfreie Anschlussverbindung, Kompensation und Übernachtung geben. „Um die Klimaziele zu erreichen, ist es dringend nötig, mehr Verkehr auf die Schiene zu verlagern. Einfachere Ticketbuchungen allein werden das nicht schaffen, sie sind aber ein notwendiger Baustein. Zusätzlich brauchen wir mehr grenzüberschreitende Züge in einem Europatakt. Der Bahnsektor hat es trotz einiger Fortschritte nach Androhung von Regulierung bisher nicht geschafft, Ticketing und Fahrgastrechte auf das nötige Niveau zu heben. Jetzt sollten EU und Bundesregierung das starke Sicherheitsnetz aus dem Kommissionvorschlag auf alle vielbereisten Routen erweitern und konsequent in Recht gießen“, fordert Jacob Rohm, Bahnexperte bei der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.

Fast Hälfte der beliebtesten Routen nicht erfasst

Für die Rechte der Reisenden ist entscheidend, welche Routen in der Verkaufspflicht erfasst werden. In dieser Hinsicht droht der Vorschlag für viele Reisende zu verpuffen, weil er viele stark nachgefragte Strecken nicht erfasst. Der Vorschlag der Kommission begrenzt die Pflicht für die dominierenden Plattformen der großen Bahnunternehmen wie der DB, SNCF oder Renfe bei internationalen Fahrten auf ein- und abgehende Verbindungen in deren Heimatland. Dadurch wären auf diesen Plattformen von den 30 meistbeflogenen grenzüberschreitenden Routen nur zwei zusätzlich buchbar (Barcelona-Paris und Madrid-Vigo). Bahnreisende, die dort buchen, laufen Gefahr auf 13 dieser Routen ohne gesicherte Fahrgastrechte dazustehen.

„Reisende bekommen ein starkes Sicherheitsnetz. Doch das hat große Löcher – ausgerechnet dort, wo besonders viele Menschen reisen“, so Rohm. „Um die Löcher zu stopfen, sollten Bundesregierung, Kommission und Europäisches Parlament die marktdominierenden Plattformen wie den DB Navigator auch verpflichten, alle verfügbaren Bahnverbindungen auf den mit Zug, Auto und Flugzeug meistbereisten Routen anzubieten. Das vereinfacht Reisenden den Umstieg auf die klimafreundlichere Schiene.“ Rohm weiter: „Die DB ist für die Änderungen gut aufgestellt. Sie bietet schon heute die Tickets von 17 ausländischen Staatsbahnen an – Spitze in Europa – allerdings keinen einzigen privaten Wettbewerber, bis auf den halbstaatlichen Kooperationspartner Eurostar.“