Berlin (1. Juli 2026). Am 15. Juli wird die Vorlage der EU-Kommission zur künftigen Ausrichtung des Europäischen Emissionshandels (ETS1) erwartet. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Netzwerks Beyond Fossil Fuels in sechs großen europäischen Industrieländern, darunter Deutschland, zeigt jetzt ein klares Bürgervotum dazu: Während Teile der Industrie eine Abschwächung oder gar Aussetzung des ETS1 fordern, sprechen sich die befragten Menschen in den ausgewählten europäischen Ländern mit einer Mehrheit von 59 Prozent dafür aus, dass Unternehmen für ihre CO2-Emissionen bezahlen müssen. In vielen Ländern wird diese Position parteiübergreifend getragen.
Simon Wolf, Leiter des Bereichs Deutsche und Europäische Klimapolitik bei der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch, sagt dazu: „Trotz permanenter Attacken aus Teilen von Industrie und Politik auf den Emissionshandel unterstützt eine Mehrheit der Menschen, dass Unternehmen Verantwortung für ihre Emissionen tragen müssen. Sie stärken damit einer ebenfalls zunehmenden Anzahl von Unternehmen den Rücken, die sich für ein verlässliches CO₂-Preissignal als nötige Planungssicherheit für Investitionen in saubere Technologien einsetzen.“
Mehrheit im Land fordert Bedingungen für echte Transformation
In Deutschland, das zeigt die Umfrage, liegt das Augenmerk besonders darauf, wie die Einnahmen aus dem Emissionshandel verwendet werden. Rund die Hälfte der Wähler:innen beider Regierungsparteien (49% SPD; 48% CDU/CSU) spricht sich grundsätzlich dafür aus, dass energieintensive Industrien wie Stahl, Zement und der Chemiesektor für ihre CO₂-Emissionen aufkommen sollten. Noch deutlich höher ist die Zustimmung dieser Gruppen zu klaren Bedingungen (Conditionalties) für Ausnahmen beim Emissionshandel: Unternehmen sollten von kostenlosen Emissionszertifikaten nur dann profitieren, wenn sie in gleicher Höhe in Emissionsminderungen investieren. Bei den Wähler:innen der Regierungsparteien stimmen 69 Prozent (SPD) bzw. 67 Prozent (CDU/CSU) dieser Forderung zu. Darüber hinaus unterstützt die Mehrheit der Befragten (60 Prozent) auch soziale Konditionalitäten, die der Arbeitnehmerschaft zugutekommen.
Wolf ergänzt: „Die Wählerinnen und Wähler der Regierungsparteien in Deutschland haben verstanden, dass die eigentliche Bedrohung für Europas industrielle Stärke „Investment Leakage“ heißt: das Abwandern neuer Investitionen in andere Weltregionen. Zugeständnisse etwa bei der freien Zuteilung ohne Gegenleistung drohen dies sogar zu beschleunigen. Wer von Ausnahmen bei der CO₂-Bepreisung profitiert, muss diese Vorteile in Emissionsreduktionen reinvestieren. Das muss das Leitprinzip für die anstehende Überarbeitung des Emissionshandels sein.“
Pressemitteilung |
Umfrage in sechs Ländern: EU-Bürger lehnen Schwächung des Europäischen Emissionshandels ab
Über zwei Drittel der Wähler:innen von Union und SPD fordern, dass Unternehmen verbindlich in Emissionsminderung investieren müssen, um von Ausnahmen im Emissionshandel zu profitieren