Berlin (16. Sept. 2026) Nach Ursula von der Leyens Rede zur Lage der Europäischen Union fordert die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Germanwatch, die europäische Rohstoffpolitik klar sozial und ökologisch auszurichten. „Es ist zweifellos notwendig, Europas Rohstoffquellen zu diversifizieren. Aber um das zu erreichen, muss Europa seine Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern wirklich gerecht gestalten. Vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Herausforderungen darf Europa seine Wettbewerbsfähigkeit nicht auf Kosten der Bevölkerungen rohstoffreicher Länder des Globalen Südens ausbauen. Das gilt gerade mit Blick auf die Schlüsselrohstoffe für die dringend notwendige Energiewende und die von von der Leyen angekündigten Bestrebungen zum Ausbau der Elektrifizierung“, betont Cornelia Heydenreich, Leiterin des Bereichs Unternehmensverantwortung bei Germanwatch.
In einer heute veröffentlichten Studie, die Germanwatch gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Partnern aus Chile verfasst hat, zeigen die Organisationen am Beispiel des Lithiumabbaus die negativen ökologischen und menschenrechtlichen Folgen dieses für die europäische Energiewende und Elektrifizierung unverzichtbaren Rohstoffes auf. Sie formulieren Empfehlungen für eine gerechtere Rohstoffpolitik, die auf gleichberechtigte Zusammenarbeit setzt.
„Im Zusammenhang mit Diversifizierung und wirtschaftlicher Souveränität müssen starke Partnerschaften mit rohstoffreichen Ländern stärker in den Mittelpunkt gestellt werden. Insbesondere durch die Notwendigkeit, resiliente Lieferketten kritischer Rohstoffe für die Energiewende aufzubauen, muss die EU eine gleichberechtigte Zusammenarbeit mit den Partnerländern etablieren. Dafür muss sie auch auf nachhaltige lokale Wertschöpfung im Globalen Süden setzen“, fordert Heydenreich.
In ihrer Rede betonte von der Leyen die Notwendigkeit, die Elektrifizierung in der EU weiter auszubauen und beim Bezug der dafür erforderlichen kritischen Rohstoffe stärker zusammenzuarbeiten. Dafür solle eine neue European Corporation on Critical Raw Materials etabliert werden. „Schnelle Elektrifizierung ist für die Einhaltung der Klimaziele zentral. Aber damit sie ein Erfolg wird, muss ihre Umsetzung global gerecht sein. Dafür müssen auch Partnerländer außerhalb der EU einbezogen werden. Bislang wurde hier vor allem eine Politik der einseitigen Zufuhrsicherung betrieben. Die EU hat viel zu oft in erster Linie darauf gesetzt, Bergbaukapazitäten auszuweiten und neue Lieferketten zu sichern – während sie die strukturellen Ursachen des immensen europäischen Ressourcenhungers kaum adressiert hat. Leidtragende sind vor allem Menschen in rohstoffreichen Ländern des Globalen Südens, die gleichzeitig noch nicht ausreichend von den Vorteilen einer Energiewende profitieren können. Nun muss die EU handeln, beispielsweise gemeinsam mit rohstoffreichen Partnerländern lokale Wertschöpfung fördern, um diese Fehler nicht zu wiederholen“, so Heydenreich weiter.
EU-Rohstoffpolitik muss Partnerschaften auf Augenhöhe etablieren
Die Europäische Kommission sollte künftig eine Rohstoffwende umsetzen, die eine partnerschaftliche globale Rohstoffpolitik beinhaltet und gemeinsam mit rohstoffreichen Ländern soziale Gerechtigkeit und klimaneutrales Wirtschaften zusammendenkt. Dazu gehört – neben umwelt- und menschenrechtlichen Standards in Lieferketten –, lokale Wertschöpfung im Sinne der ansässigen Bevölkerung zu verstehen und konsequent miteinzubeziehen. Die bestehende Rohstoffpartnerschaft mit Chile, welches ein wichtiger Lieferant für den Energiewende-Rohstoff Lithium ist, bietet dafür einen konkreten Ankerpunkt.
Svenja Schöneich, Referentin für Ressourcenpolitik bei Germanwatch und Mitautorin der Studie: „Die Rohstoffpartnerschaft mit Chile muss konsequent an ambitionierte Menschenrechts- und Umweltstandards geknüpft werden. Die EU muss jetzt erkennen, dass starke Partnerschaften auf Augenhöhe die Basis für ihre Rohstoffsouveränität bilden. Umweltstandards und Menschenrechte nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein, um eine faire Transformation zu einer Welt ohne fossile Energien zu gestalten, die am Ende allen zugutekommt.“
Pressemitteilung |
Ein resilientes Europa braucht globale Rohstoffgerechtigkeit
Germanwatch zur Rohstoffpolitik in von der Leyens Rede zur Lage der Union: Größere EU-Wettbewerbsfähigkeit und angekündigte europäische Gesellschaft für kritische Rohstoffe dürfen nicht auf Kosten des Globalen Südens gehen / Neue Studie zu Lithium aus Chile unterstreicht Notwendigkeit für faire Partnerschaften