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Pressemitteilung |

Breites Bündnis fordert konkrete Vorgaben der Politik zur Priorisierung von Netzanschlüssen

Bündnis aus 16 Verbänden, Organisationen und Unternehmen: Bundeswirtschaftsministerium sollte Dialogprozess zur Entwicklung von Priorisierungsvorgaben einrichten / Schnellere Anschlüsse ans Stromnetz sind Voraussetzung für Investitionen und Standortentscheidungen / Weitere Maßnahmen auch für effiziente Anschlussverfahren und zügigen Netzausbau nötig

Berlin (5. Okt. 2026). In einem heute veröffentlichten Brief fordert ein Bündnis aus 16 Verbänden, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Unternehmen das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) auf, konkrete politische Vorgaben für die diskriminierungsfreie, transparente und rechtssichere Priorisierung von Netzanschlüssen in Engpassgebieten zu entwickeln. So ließen sich Anschlüsse für gesellschaftlich besonders wichtige Projekte beschleunigen. Dafür empfiehlt das Bündnis die Einrichtung eines Dialogs unter Einbindung von Politik, Netzbetreibern, Netznutzenden, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft. Für schnelle Netzanschlüsse brauche es zudem digitale Prozesse, klare Fristen, Transparenz über verfügbare Kapazitäten sowie zusätzliche Maßnahmen für einen vorausschauenden, beschleunigten Netzausbau.

Hintergrund der Forderung ist die Absicht der Bundesregierung, Netzbetreibern mit dem Netzanschlusspaket die Entwicklung und Anwendung von Grundsätzen zur Priorisierung von Anschlüssen zu ermöglichen. Zudem ist ein Verteilnetzpaket mit beschleunigtem Netzausbau und einer Anschlussgarantie für Industriebetriebe geplant. Zwar sei die Abkehr vom Windhundprinzip bei der Vergabe von Netzanschlüssen zu begrüßen, heißt es im Brief. Da Netzbetreiber jedoch nicht über einen strukturpolitischen Auftrag verfügten, seien die Kriterien für eine Priorisierung von Anschlüssen unter Einbindung relevanter Stakeholder zu konkretisieren und politisch festzulegen, so die Unterzeichnenden.

Netzanschlüsse sind zunehmend Flaschenhals der Energiewende

Der Netzanschluss wird zunehmend zur Hürde für Investitionen und Standortentscheidungen. Anschlussanfragen nehmen infolge des Zubaus von Erneuerbaren und Speichern sowie der Elektrifizierung stark zu, während die vorhandenen Netze regional an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. In der Folge entstehen teils lange Wartezeiten und Planungsunsicherheiten für den Netzanschluss, welche die Umsetzung von Projekten gefährden können.

Kommentare aus unterzeichnenden Verbänden und Organisationen:
Christoph Bals, Geschäftsführender Vorstand Politik bei Germanwatch: „Zügige Netzanschlüsse sind zentrale Voraussetzung für die Elektrifizierung und den Ausbau Erneuerbarer am Standort Deutschland. Zuallererst braucht es dafür effiziente Anschlussprozesse, intelligente Vorgaben zur Nutzung bestehender Kapazitäten und einen vorausschauenden Netzausbau. Wo Anschlüsse schon heute knapp sind, sollten vorrangig jene, die den größten gesellschaftlichen Mehrwert schaffen, den Zuschlag erhalten. Wie eine solche Priorisierung konkret erfolgen sollte, gilt es jetzt im politischen Dialog festzulegen.“

Sabine Nallinger, Vorständin Stiftung KlimaWirtschaft: „Viele Unternehmen wollen elektrifizieren, müssen aber jahrelang auf einen Netzanschluss warten. Das Prinzip der Warteschlange sollte deshalb zügig durch ein digitales Verfahren mit klaren Fristen und Fokus auf die Projektreife ersetzt werden. Standortgebundene Industrieprojekte gilt es dabei prioritär zu behandeln, da sie einerseits neue Wertschöpfung schaffen und andererseits nicht einfach verlagert werden können. Wir setzen darauf, dass das Wirtschaftsministerium den Dialog schnell startet.“

Christian Otto, Geschäftsführer Bundesverband der Energie-Abnehmer e.V. (VEA): „Die vorhandenen Netzkapazitäten reichen derzeit nicht aus. Damit wird die Frage, wer vorrangig einen Netzanschluss erhält, zu einer hochpolitischen Frage. Eine solche Priorisierung sollte nicht allein von den Netzbetreibern entschieden werden. Sie muss politisch festgelegt werden – transparent und unter Einbeziehung der unterschiedlichen Interessen der betroffenen Akteure. Im Ergebnis brauchen wir ein Konzept, das die Transformation für die Breite des energieintensiven Mittelstands ermöglicht.“

Christian Noll, Geschäftsführender Vorstand Deutsche Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF): „Deutschland muss jetzt schnell unabhängig von teuren und fossilen Energieimporten werden. Doch Dekarbonisierung scheitert oft an mangelnden Netzanschlüssen und langen Wartezeiten. Insbesondere wenn es um die effiziente Elektrifizierung von Prozesswärme geht, wäre eine Anschlussgarantie ein Gamechanger. Hier liegen enorme wirtschaftliche Entlastungspotenziale, wobei wir unsere Industrie mit eigenen Lösungen Made in Europe unabhängig und wettbewerbsfähig machen können. Jetzt ist die Chance!“