Berlin (11. Feb. 2026). Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch fordert die Staats- und Regierungschefs der EU vor dem morgigen informellen Europäischen Rat dazu auf, die Lehren des Draghi-Berichts zur Wettbewerbsfähigkeit Europas ernst zu nehmen. „Der Draghi-Bericht sieht einen Schlüssel für die wirtschaftliche Stärke Europas in günstigen Strompreisen durch Erneuerbare Energien und Investitionen in nachhaltige Technologien. Das würde auch die fatale Abhängigkeit von fossilen Importen reduzieren,“ so Simon Wolf, Bereichsleiter für Deutsche und Europäische Klimapolitik bei Germanwatch. „Eine Verengung der Diskussion über die Wettbewerbsfähigkeit auf die Vereinfachung von Regulierung und teils sogar die Abschwächung von Klima-Regeln geht hingegen am Kern des Draghi-Berichts vorbei“.
Die Importabhängigkeit der EU von fossilen Brennstoffen war von 2019 auf 2023 drastisch auf rund 400 Milliarden Euro jährlich angestiegen. Dieses Geld wäre laut Draghi besser in Infrastruktur, Innovationen und Bildung investiert. Wolf weiter: „Mit dem Grids Package und dem Electrification Action Plan hat die EU-Kommission wichtige Vorhaben angestoßen, um die Abhängigkeit von fossilen Importen zu reduzieren. Der Bundeskanzler sollte sich dafür einsetzen, den Electrification Action Plan stärker als bisher zur Priorität zu machen, um schneller die neue Unabhängigkeit der EU voranzubringen und damit die EU bei diesen Schlüsseltechnologien nicht den Anschluss an China verliert. Insbesondere Deutschland hinkt hier deutlich hinterher.“
Marion Guénard, Referentin für EU-Klimapolitik und französisch-deutsche Klimazusammenarbeit: „Kanzler Merz sollte mit dem französischen Präsidenten einen Kompromiss in Bezug auf eine wichtige Empfehlung des Draghi-Berichts suchen, nämlich die Ausgabe gemeinsamer EU-Anleihen, um den ökologischen Wandel zu finanzieren. Es handelt sich hier um gut angelegte Investitionen, sie ermöglichen deutlich mehr Geld zuhause zu investieren statt es an Öl- und Gasländer zu überweisen. Sie verringern zudem ökologische Schäden, den Verlust von Marktanteilen und Ressourcenabhängigkeiten. Ein einfaches Nein ist hier zu wenig, diese Debatte muss konstruktiv aufgegriffen werden.“
Charly Heberer, Koordinator für EU-Klimapolitik bei Germanwatch: „Draghi hat in der Vorstellung seines Berichts unmissverständlich deutlich gemacht: Die EU braucht ehrgeizige Klimaziele, versehen mit einem konkreten Umsetzungsplan, damit die Abkehr von den fossilen Energien eine Chance für Europa wird. Die Europäische Kommission sollte daher das Klimapaket zur Umsetzung des 2040-Ziels mit nationalen Zielen, Emissionshandel und Energiegesetzgebung schnell vorschlagen, nicht erst gegen Ende des Jahres.“
Abkehr von fossilen Importen ist Schlüssel für wettbewerbsfähige EU
Vor EU-Ratsgipfel zur Wettbewerbsfähigkeit mit Anwesenheit von Mario Draghi: Germanwatch fordert neue Energie-Agenda und richtige Lehren aus Draghi-Bericht