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Komplizierte Ticketbuchung hält Reisende vom Bahnfahren ins Ausland ab

Neue Analyse von Transport & Environment (T&E) zeigt: Fernreisende können viele europäische Verbindungen auf großen Ticketplattformen nicht buchen - fast zwei Drittel hat das bereits von Bahnreisen abgehalten / Germanwatch: Bundesregierung sollte sich für einfachere EU-weite Bahnbuchungen einsetzen

Berlin/Brüssel (21. April 2026). Von Köln nach London, von Frankfurt nach Barcelona - viele innereuropäische Reisen ließen sich anstatt per Flugzeug auch nahezu klimaneutral mit der Bahn bewältigen. Doch schon bei der Buchung stehen viele Reisende vor hohen Hürden. Fast zwei von drei Fernreisenden (61 Prozent) haben laut einer Umfrage von T&E aus 2025 unter 6.000 europäischen Reisenden schon den grenzüberschreitenden Zug nicht genutzt, weil ihnen die Buchung zu aufwändig war. “Komplizierte Ticketbuchungen halten Reisende von europaweiten Bahnreisen ab. Die EU könnte hier wie bei Roaminggebühren und Vereinheitlichung der Ladekabel ihre Stärken zeigen und die klimafreundlichste Art zu Reisen endlich auch zur kundenfreundlichsten machen. Die Bundesregierung muss sie dabei unterstützen, damit ein gemeinsames europäisches Schienennetz beim Ticketkauf jetzt Realität wird. Große Ticketplattformen und alle Bahnunternehmen müssen verpflichtet werden, Buchungsdaten miteinander zu teilen, so dass Reisende alle Angebote einfach finden und vergleichen können”, fordert Jacob Rohm, Mobilitätsexperte bei der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.

Wie aufwändig ist es, eine grenzüberschreitende Bahnfahrt zu buchen? Das hat der europäische Umweltverband Transport & Environment (T&E), bei dem Germanwatch Mitglied ist, auf Europas 30 meistbeflogenen Routen analysiert – und ist zu überraschenden Ergebnissen gekommen.

In rund der Hälfte der Fälle war für Reisende die Buchung auf den vertrauten Plattformen nicht ohne weiteres möglich: Auf jeder fünften Strecke (20 Prozent) konnten Reisende bei keinem Bahnbetreiber ein Ticket für die gesamte Strecke buchen. Auf weiteren 27 Prozent der Routen konnten sie die ganze Strecke nur bei einem der beteiligten Bahnbetreiber buchen - wofür viele Reisende den Schritt zum oft wenig bekannten Betreiber des Nachbarlandes machen müssen. Ähnliche Zahlen gelten für Zugreisen auf 50 weiteren vielbeflogenen internationalen Routen in ganz Europa, die T&E analysiert hat.

DB im Vergleich gut, schließt aber einige Zugunternehmen aus

Die Deutsche Bahn kann aktuell Tickets von 17 ausländischen Staatsbahnen verkaufen, deutlich vor der schweizerischen mit 13 und österreichischen Staatsbahn mit 12.  Auf den hinteren Plätzen liegt etwa die französische SNCF, die nur die Tickets von drei anderen Staatsunternehmen verkauft – die spanische Renfe sogar von keinem einzigen. Das zeigen Daten des spezialisierten Analyseunternehmens xatellite für den Online-Verkauf im Fernverkehr. Allerdings konnten Reisende bei der DB nur andere Staatsbahnen und keinen einzigen privaten Wettbewerber buchen – bis auf den halbstaatlichen Kooperationspartner Eurostar. Auch bei anderen Staatsbahnen in ganz Europa konnten Reisende auf Abschnitten, auf denen Züge von mindestens zwei Anbietern fahren, bei 86 Prozent der Strecken nicht die Züge aller Anbieter – und damit auch nicht alle Fahrzeiten und alle Preise – buchen.

Preise schwanken - bester Preis oft nur mit Spezialwissen auffindbar

Teilweise schwanken die Preise erheblich, je nachdem wo Reisende buchen: Von München nach Wien zahlen Reisende bis zu einem Drittel (31 Prozent) mehr, je nachdem ob sie über die ÖBB oder die DB buchen. Die teils deutlich günstigeren Ticketpreise von Wettbewerbern, zum Beispiel nach Basel und Wien, sind auf den DB-Kanälen nicht sicht- und buchbar. Die Beschränkung auf eigene Züge und Kooperationspartner führt dazu, dass Reisende nicht alle Verbindungen finden und nicht alle Preise vergleichen können.

Germanwatch-Mobilitätsexperte Jacob Rohm fordert daher europäische Regulierung: „Damit Bahnreisen ins europäische Ausland so einfach werden, wie mit dem Auto zu fahren, braucht der Sektor einen klaren Rahmen. Kommissionspräsidentin von der Leyen hat in ihren politischen Leitlinien vereinfachtes Ticketing zu einer Priorität erklärt. Die Kommission sollte jetzt dominante Ticketingplattformen verpflichten, Tickets von allen Bahnunternehmen zu verkaufen und Bahnunternehmen verpflichten, ihre Buchungsdaten zu teilen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sollte die EU dabei entschieden unterstützen.“