Save the planet

Mit einem Klick die Welt retten!?

So einfach ist es leider nicht. Aber wir setzen dort an, wo unsere Arbeit am meisten Wirkung entfalten kann: bei den politischen Rahmenbedingungen. Wie wir das machen, erfahren Sie in unserem Newsletter.

Einfach anmelden und gemeinsam mit uns die Welt verändern!

Pressemitteilung |

Internationale Klimapolitik bleibt hinter den Herausforderungen der Klimakrise und Chancen der Energiewende zurück

Germanwatch warnt zum Abschluss der Bonner Klimaverhandlungen: Fortschritte bisher zu klein für erfolgversprechende Grundlage der kommenden Weltklimakonferenz

Bonn (18. Juni 2026). Die heute zu Ende gehenden UN-Klimaverhandlungen in Bonn haben deutlich gemacht: Bis zur Weltklimakonferenz COP31 im November bleibt noch viel Arbeit. Aus Sicht der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch wurden in einigen technischen Verhandlungssträngen Fortschritte erzielt. „Insgesamt verliefen die Gespräche aber zu langsam und konfliktreich, um absehbar eine Grundlage für eine erfolgreiche Weltklimakonferenz zu schaffen“, bilanziert Laura Schäfer, Leiterin des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch.

Schäfer weiter: „Die Klimakrise weltweit beschleunigt sich. Und wir haben schon heute dreimal mehr Hungernde auf dem Planeten als 2016. Durch die lange Blockade von Hormus und das begonnene El Niño-Ereignis droht die Zahl der betroffenen Menschen in den kommenden Monaten noch deutlich zu steigen. Durch die Energiekrise im Kontext des Irankrieges sehen wir in der Welt derzeit aber auch die größten Fortschritte im Klimaschutz seit dem Parisabkommen 2015. Doch die Bonner UN-Klimaverhandlungen haben keine Handlungsfähigkeit gezeigt, die all’ diesen Realitäten gerecht wird.”

Vergiftend für die Debatte wirkt insbesondere, dass die USA, aber auch viele weitere Industrieländer - vermutlich auch Deutschland - ihre internationale Klimafinanzierung zurückfahren und damit ihre noch vor wenigen Jahren gemachten Zusagen absehbar nicht einhalten werden. “Bonn hat damit bereits die zentralen Konfliktlinien aufgezeigt, die auch die COP31 prägen werden. Jetzt ist es an der türkisch-australischen Doppel-COP-Präsidentschaft, einen klaren politischen Fahrplan vorzulegen, der Blockaden überwindet, die Umsetzung bestehender Beschlüsse beschleunigt und die globale Ambition erhöht”, so Schäfer weiter. “Gleichzeitig wurde deutlich, dass sich der UN-Klimaprozess weiterentwickeln muss. Die künftigen COP-Präsidentschaften und das UN-Klimasekretariat sollten diesen Reformprozess aktiv vorantreiben.”

Fragen nach der internationalen Klimafinanzierung zogen sich durch die gesamten Verhandlungen, obwohl keine formalen Entscheidungen zu Klimafinanzierungsthemen anstanden. „Viele Länder aus dem Globalen Süden stellen die berechtigte Frage, woher die finanziellen Mittel für die Umsetzung konkreter Maßnahmen in den Bereichen Elektrifizierung, Just Transition oder Anpassung an den Klimawandel kommen sollen. Hierzu wurden im Rahmen der Verhandlungen in Bonn noch keine Antworten geliefert. Für den Fortschritt in allen Verhandlungssträngen braucht es jedoch klare und verlässliche Finanzierungszusagen durch reichere Länder wie Deutschland. Als positives Zeichen werten wir deshalb die Pläne Australiens, die weitere Finanzierung von Klimafonds und einen vereinfachten Zugang zu vorhandenen Mitteln als einen Schwerpunkt der Vor-Konferenz vor der kommenden Weltklimakonferenz zu verankern. Industrienationen sollten etwa einen hochrangigen Expertenbericht zu dieser Vor-Konferenz oder spätestens zur COP erstellen und Klarheit schaffen, wie das notwendige Geld trotz der aktuellen Budget-Engpässe aufgebracht werden kann“, sagt Ute Sudmann, Leiterin des Bereichs Zukunftsfähige Finanzflüsse bei Germanwatch.

Mehr Vorreiter-Initiativen notwendig

Ein dominierendes Schlagwort der Verhandllungen war „Umsetzung“. Petter Lydén, Co-Bereichsleiter für Internationale Klimapolitik bei Germanwatch: „Das Pariser Abkommen und sein Regelbuch wurden seit 2015 im Konsens verabschiedet. Die Umsetzung ist laut Parisabkommen ein national getriebener Prozess und bedarf keines Konsenses aller Staaten. Es ist offensichtlich, dass eine kleine Gruppe von Staaten den sich massiv beschleunigenden Prozess der globalen Energiewende aufhalten will. Deshalb müssen Vorreiterstaaten Verantwortung übernehmen und vorangehen. Das gilt etwa beim Ausstieg aus fossilen Energien, beim beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien auch für Menschen, die dafür Unterstützung benötigen, und bei Investitionen in resiliente Infrastrukturen – auf der COP im November müssen wir mehr solcher Initiativen sehen. Die Ankündigung der Türkei, auf der COP ein globales Elektrifizierungsziel von 35 Prozent Strom am Endenergieverbrauch bis 2035 verabschieden zu wollen, ist da ein gutes Signal. Das muss jetzt durch Ziele der einzelnen Staaten und der EU untermauert werden, auch in Deutschland.”

Auch beim Thema Anpassung an die Folgen der Klimakrise bleiben viele Fragen offen. Insbesondere die Ausgestaltung der Indikatoren des Globalen Ziels für Anpassung (Global Goal on Adaptation) und die Sicherstellung der versprochenen Verdreifachung der Finanzierung für Anpassung bleiben unklar. „Besonders verwundbare Länder brauchen verbindliche Zusagen, dass sie beim Umgang mit den Folgen der Klimakrise wirksam unterstützt werden. Die zunehmenden Auswirkungen von Extremwetterereignissen auf Ernährungssicherheit, Wasserverfügbarkeit und wirtschaftliche Stabilität zeigen: Resilienz ist keine Zukunftsaufgabe mehr, sondern eine unmittelbare politische Notwendigkeit“, so Laura Schäfer abschließend.