Berlin (2. Juli 2026). Die Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Germanwatch kritisiert die vom Koalitionsausschuss angekündigte Abschwächung des Lieferkettengesetzes (LkSG) im Zuge der Umsetzung der EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) scharf und warnt vor weitreichenden Folgen für Beschäftigte und Verteidiger:innen von Menschenrechten weltweit. „Die heute vom Koalitionsausschuss verkündete Reduzierung des Anwendungsbereichs des Lieferkettengesetzes ist reine Symbolpolitik. Sie geht an den tatsächlichen Ursachen der wirtschaftlichen Schwäche in Deutschland vorbei. Stattdessen sorgt die Bundesregierung für Unsicherheit bei genau den Unternehmen, die in den vergangenen Jahren in den Aufbau von Strukturen für ihre Sorgfaltspflichten investiert haben", so Cornelia Heydenreich, Leiterin des Bereichs Unternehmensverantwortung bei Germanwatch.
Mehrere Untersuchungen zeigen, dass das Gesetz in der Praxis umsetzbar ist und die Mehrheit der Unternehmen sich bereits auf den Weg gemacht hat, die Anforderungen des Gesetzes umzusetzen. Einer Umfrage des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik zufolge setzen 84 Prozent der Unternehmen Risikomanagementsysteme in ihren Lieferketten ein. Daten der IHK besagen, dass sich 77 Prozent der direkt verpflichteten Unternehmen seit Einführung des LkSG intensiver mit ihren Lieferketten in Hochrisikoregionen befassen möchten. „Genau das soll das Lieferkettengesetz erreichen“, betont Heydenreich. „Unternehmen sollen ihre Risiken rechtzeitig adressieren und Probleme vorbeugend verhindern. Dadurch werden Lieferketten auch für die Unternehmen verlässlicher und resilienter.“
Auch ein von Germanwatch Anfang des Jahres vorgelegter Bericht zeigt: Das Lieferkettengesetz wirkt. Arbeitnehmer:innen und Menschenrechtsverteidiger:innen weltweit nutzen das Gesetz, um ihre Rechte einzufordern. Cornelia Heydenreich: „Viele Unternehmen setzen sich erstmals systematisch mit den menschenrechtlichen Auswirkungen ihrer Geschäftspraktiken auseinander. Eine Verkleinerung des Anwendungsbereiches nimmt vielen Betroffenen genau diese Möglichkeit und entlässt Unternehmen in die Freiwilligkeit. Die Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, dass Freiwilligkeit nicht ausreicht, um Menschenrechte zuverlässig zu schützen.“
Pressemitteilung |
Lieferkettengesetz geschwächt: Symbolpolitik auf Kosten von Mensch und Umwelt
Beschluss des Koalitionsausschusses löst kein einziges Problem, hat aber ernste Folgen für Beschäftigte und Menschenrechtsschutz