Ein zumindest zeitweises Überschreiten des 1,5°C-Langzeittemperaturziels des Pariser Abkommens gilt inzwischen als kaum noch vermeidbar – möglicherweise bereits zu Beginn der 2030er Jahre. Damit schreitet der Klimawandel schneller voran als lange angenommen. Vor diesem Hintergrund gewinnen sogenannte Overshoot-Ansätze an Bedeutung, die ein temporäres Überschreiten der 1,5°C-Grenze mit einer späteren Rückführung der Temperaturen durch CO₂-Entnahme aus der Atmosphäre verbinden.
Das vorliegende Papier bietet eine Einordnung zentraler Fragen: Wo stehen wir aktuell mit Blick auf das 1,5°C-Limit? Warum bleibt dieses Ziel auch im Fall eines Overshoots relevant? Was kennzeichnet unterschiedliche Overshoot-Szenarien und welche politischen Antworten sind jetzt erforderlich? Es zeigt, dass ein Überschreiten der 1,5°C-Grenze den Handlungsdruck weiter erhöht: Emissionsminderungen müssen deutlich verstärkt, transformative Anpassungsmaßnahmen umgesetzt und ausreichende Finanzierungsmechanismen sichergestellt werden. Entscheidend ist dabei, dass die heute getroffenen Maßnahmen maßgeblich über zukünftige Risiken und Kosten bestimmen – denn geringere Emissionsreduktionen führen zu gravierenderen Klimafolgen sowie zu steigenden Anforderungen an Anpassungs- und Rückführungsmaßnahmen.