Berlin/Bonn (20. April 2026). Der morgen beginnende Petersberger Klimadialog steht in diesem Jahr unter besonders hohen Erwartungen. In einer Phase explodierender fossiler Energiepreise, geopolitischer Spannungen, Kriege und wachsender globaler Krisen schafft das Treffen dringend benötigten Raum für offene Gespräche über politisch schwierige Themen. Die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch fordert, dass vom Petersberger Klimadialog ein Schub für handlungsfähige internationale Klimapolitik ausgeht.
„Angesichts der stark gestiegenen Preise für Öl und Gas beschleunigen viele Länder weltweit das Tempo für erneuerbare Energien und Elektrifizierung, um die Abhängigkeit von fossilen Energien zu verringern. Der Petersberger Klimadialog muss diese neue Dynamik aufgreifen und ein starkes Signal für funktionierende internationale Klimazusammenarbeit sowie die beschleunigte Umsetzung der Pariser Klimaziele senden. Es gilt Allianzen zu schmieden, um echten Fortschritt zu ermöglichen. Gerade bei den bislang schwierigen Fragen – dem Herunterfahren von Öl, Gas und Kohle sowie der internationalen Klimafinanzierung – braucht es jetzt Bewegung. Petersberg ist dafür genau das richtige Format. Der Klimadialog ist quasi ein Entwicklungslabor der internationalen Klimadiplomatie“, erklärt Christoph Bals, Politik-Vorstand von Germanwatch, der beim Klimadialog vor Ort sein wird.
Mit Blick auf die Rolle Deutschlands ergänzt Bals: „Von Bundeskanzler Friedrich Merz erwarten wir klare Signale: Er hat beim Klimagipfel in Bélem angekündigt, dass Deutschland ein verlässlicher Partner bleibe. Er muss nun national wie international zeigen, dass Deutschland bei der Klimapolitik Kurs hält und seiner Verantwortung gerecht wird.“
Energiekrise und Klimakonferenz in Santa Marta im Fokus
Der Petersberger Klimadialog soll wichtige Impulse für die nächste Weltklimakonferenz im November sowie die unmittelbar auf Petersberg folgende internationale Konferenz zur Abkehr von fossilen Energien (TAFF) in Santa Marta (Kolumbien) liefern. Die aktuelle Energiekrise verdeutlicht einmal mehr die strukturellen Risiken fossiler Abhängigkeiten. “Die fossile Energiekrise zeigt klar: Erneuerbare Energien machen Staaten sicherer, wirtschaftlich robuster und politisch unabhängiger. Sie verringern die Anfälligkeit für Druck aus anderen Staaten. Für Importländer wie Deutschland ist die Abkehr von Kohle, Öl und Gas daher nicht nur klimapolitisch, sondern auch strategisch und ökonomisch sinnvoll”, so Laura Schäfer, Leiterin des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch.
Deutschland muss daher seine wirtschaftliche, diplomatische und finanzielle Stärke gezielt einsetzen: „Im Vorfeld der Konferenz in Santa Marta sollte Deutschland gemeinsam mit internationalen Partnern greifbare Fortschritte für den Fahrplan der brasilianischen COP30-Präsidentschaft zur Abkehr von fossilen Energien ermöglichen”, so Schäfer.
Internationale Klimafinanzierung als Voraussetzung für Vertrauen
Ein weiterer zentraler Schwerpunkt des Dialogs ist die Klimafinanzierung. Da das bisherige deutsche Ziel für die internationale Klimafinanzierung 2025 ausgelaufen ist, steht die Bundesregierung vor der Aufgabe, ein glaubwürdiges und ambitioniertes neues Klimafinanzierungsziel vorzulegen. Die vergangene Weltklimakonferenz hat gezeigt, dass viele Länder des globalen Südens nur dann bereit sind aus fossilen Energien auszusteigen, wenn sie ausreichend Geld für Anpassungsmaßnahmen an die Klimakrise bekommen.
„Klimafinanzierung ist eine zentrale Voraussetzung für Vertrauen und Fortschritt in den internationalen Verhandlungen. Jeder Euro für Klimaschutz und -anpassung verringert ein Vielfaches an Schäden. Bundeskanzler Merz sollte deshalb ankündigen, bestehende Verpflichtungen einzuhalten und zeitnah ein neues Klimafinanzierungsziel für Deutschland zu verkünden. Im Einklang mit den Vereinbarungen der letzten Klimaverhandlungen ist ein Aufwuchs der Mittel auf 12 Milliarden Euro jährlich bis 2030 geboten“, betont Ute Sudmann, Leiterin des Bereichs Zukunftsfähige Finanzflüsse bei Germanwatch.
Petersberger Klimadialog: "Entwicklungslabor der Klimadiplomatie" muss liefern
Germanwatch erwartet neben starken Signalen auch konkrete Fortschritte als Reaktion auf fossile Energiepreiskrise und bei internationaler Finanzierung für Klimaanpassung / Deutschland sollte zeitnah neues Klimafinanzierungsziel verkünden