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Pressemitteilung |

Reform des EU-Emissionshandels: Vorreiter belohnen, Anreize für Nachzügler stärken

Reform muss ETS1 auf Kurs halten und kostenlose Zertifikate an wirksamere Bedingungen knüpfen / Flugverkehr: Auch internationale Flüge einbeziehen / Electrification Action Plan der EU kann Strategie für fossile Unabhängigkeit sein

Berlin (14. Juli 2026). Die an diesem Freitag erwarteten Reformvorschläge der Europäischen Komission für den EU-Emissionshandel (ETS1) müssen aus Sicht der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch daran gemessen werden, ob sie das Erreichen der EU-Klimaziele bis 2040 sicherstellen. “Wir erwarten von der Kommission, dass sie den weltweit viel beachteten EU-Emissionshandel auf Kurs hält und stärkt. Sie darf den Forderungen aus Teilen der Industrie und einzelner Mitgliedstaaten nach einer erheblichen Abschwächung des ETS1 nicht nachgeben”, betont Lutz Weischer, Leiter des Berliner Germanwatch-Büros. “Der Preis im ETS ist auf moderatem Niveau stabil. Der Emissionshandel ist nicht die Ursache der strukturellen Probleme der europäischen Industrie. Eine Stärkung des ETS kann aber im Dreiklang mit dem CO2-Grenzausgleich und Leitmärkten die Anreize für zukunftsfähige Investitionen in Europa verbessern.”

Emissionshandel für die Industrie: Investitionen in der EU stärken

Mit Blick auf die Industrie müssen sich die Reformvorschläge vor allem daran messen lassen, dass sie die Wettbewerbsfähigkeit der Vorreiter beim Klimaschutz erhalten und Anreize für Investitionen weiterer Unternehmen in die Klimaneutralität stärken. In einem aktuellen Impulspapier macht Germanwatch dafür Vorschläge. Felix Gill, Referent für klimaneutrale Industrie bei Germanwatch: „Jede Schwächung des ETS, die dem Geschäftsmodell der First Mover schadet, wäre ein verheerendes Signal für die Investitionssicherheit in Europa. Erleichterungen bei den freien Zuteilungen sind für die Unternehmen bares Geld wert. Diese Gelder müssen als Investitionen in Europa bleiben. Gelingen kann das durch eine verstärkte Kopplung von kostenlosen Zuteilungen an verbindliche Investitionszusagen. Dafür bietet sich ein so genanntes Transformationskonto an, auf dem die Kosten für die Emissionszertifikate geparkt und erst bei Investitionen in die Klimaneutralität ausgezahlt werden.”

ETS für den Flugverkehr: Die Zweidrittel-Lücke schließen

Die Reform des Emissionshandels sollte nach Ansicht von Germanwatch auch im Flugsektor den Druck zur Emissionsminderung erhöhen. „Der Flugverkehr muss genau wie alle anderen Emittenten innerhalb weniger Jahrzehnte klimaneutral werden“, unterstreicht Anja Köhne, Referentin für klimaneutralen Flugverkehr bei Germanwatch. „Der zentrale Hebel ist die Einbeziehung internationaler Flüge in das ETS – diese machen über zwei Drittel der Klimaemissionen des EU-Flugverkehrs aus. Warum soll der Flugverkehr als einziger Emittent nur für ein Drittel seiner Klimaschäden Verantwortung übernehmen?“ Bislang sind internationale Flüge (Flüge in außereuropäische Länder) freigestellt oder unterliegen dem System “CORSIA” der Internationalen Luftfahrtorganisation ICAO. „CORSIA versagt seit über einem Jahrzehnt bei Klimaschutz und Innovationsförderung: unzureichend in Ambition und auf Kompensationen statt echter Reduktion setzend“, so Köhne. Zudem nehmen wichtige Länder wie China, Indien und Brasilien an CORSIA gar nicht teil.

Electrification Action Plan: Chance für deutsche Industrie

Im Electrification Action Plan, der ebenfalls am Freitag vorgestellt werden soll, will die Kommission weitere Schritte festlegen, mit denen die EU sich schneller aus fossilen Abhängigkeiten befreien und den Anschluss an wichtige Zukunftsmärkte halten soll. Dazu Lutz Weischer: “Neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien ist die möglichst schnelle Elektrifizierung aller Sektoren der entscheidende Hebel, um die Abhängigkeit von fossilen Importen zu reduzieren. Die Bundesregierung lässt das Thema bisher links liegen. Dabei könnte insbesondere die deutsche Industrie massiv vom globalen Elekrifizierungs-Trend profitieren. Die Bundesregierung sollte die Inítiative der EU-Kommission für ein Elektrifizierungs-Ziel unterstützen und die eigene Politik auf dieses Ziel ausrichten. Zentrale Hebel dafür sind die Strompreise, die Netzmodernisierung und gezielte Anreize zur Elektrifizierung in den wichtigsten Verbrauchs-Sektoren Gebäude, Industrie und Verkehr.”