Die COP31 im türkischen Antalya findet in diesem Jahr vor dem Hintergrund globaler Turbulenzen statt. Zu den zentralen Herausforderungen zählen nicht nur zunehmende Klimawandelfolgen und ein starker El Niño, der klimabedingte Extremwetterereignisse zusätzlich verstärkt, sondern auch die größte Energiepreiskrise seit den 1970er-Jahren, geopolitische Spannungen und ein wachsender Druck auf die multilaterale Zusammenarbeit. Während die globale Energiewende an Dynamik gewinnt und erneuerbare Energien und Speichertechnologien rasch ausgebaut werden, bleibt die Klimapolitik weiterhin gefährlich weit hinter dem zurück, was erforderlich wäre. Erste Anzeichen kritischer Kipppunkte im Klimasystem zeichnen sich ab, während die Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C zunehmend davon abhängen wird, eine mögliche vorübergehenden Überschreitung so kurz und gering wie möglich zu halten.
In diesem Kontext muss die UN-Klimakonferenz den Fokus von den Verhandlungen auf die Umsetzung verlagern.
Germanwatch identifiziert drei Faktoren, an denen der Erfolg der COP31 gemessen werden sollte:
- Sichtbare Umsetzung des Pariser Abkommens: Die COP31 muss Fortschritte bei bestehenden Verpflichtungen zeigen – von der Verdreifachung der Kapazitäten für erneuerbare Energien und der Verdopplung der Energieeffizienz bis hin zur Beschleunigung der Elektrifizierung. Die Länder müssen zudem nationale Fahrpläne für die Abkehr von fossilen Brennstoffen (TAFF) auf den Weg bringen oder weiterentwickeln. Gleichzeitig müssen Anpassung sowie Schäden und Verluste größere politische Aufmerksamkeit erhalten, etwa durch glaubwürdige Fortschritte beim Globalen Anpassungsziel und eine stärkere finanzielle Unterstützung beim Umgang mit Verlusten und Schäden.
- Den UNFCCC-Prozess stärken und wirksamer gestalten: Ein großer Teil der Arbeit an Umsetzung und Finanzierung findet zunehmend außerhalb der formalen Verhandlungen statt. Die Action Agenda kann dazu beitragen, die Umsetzung zu beschleunigen, muss jedoch mit klaren Verantwortlichkeiten, Zeitplänen und Monitoring einhergehen sowie alle relevanten Akteure einbeziehen. Die COP31 sollte sich zudem auf die Ausgestaltung der zweiten Globalen Bestandsaufnahme einigen und die Bereitschaft signalisieren, den UNFCCC-Prozess weiterzuentwickeln, damit die Umsetzung besser unterstützt, die Ambition erhöht und Fortschritte nachverfolgt werden können.
- Angemessene Finanzierung mobilisieren: Klimaschutz kann ohne eine ausreichende und zugängliche Finanzierung nicht umgesetzt werden. Die Länder des Globalen Nordens müssen mehr verlässliche öffentliche Klimafinanzierung bereitstellen und einen klaren Pfad hin zum NCQG-Ziel von 300 Milliarden US-Dollar sowie zum Mobilisierungsziel von 1,3 Billionen US-Dollar vereinbaren. Die COP31 sollte neue Polluter-Pays-Mechanismen voranbringen, die Rolle multilateraler Entwicklungsbanken und Klimafonds stärken und die Grundlage für eine Finanzierung schaffen, die Schuldenlasten nicht erhöht. Insbesondere die Finanzierung für Anpassung sowie Verluste und Schäden muss gestärkt werden, damit die Ressourcen diejenigen Länder und Gemeinschaften erreichen, die mit den schwerwiegendsten Klimafolgen konfrontiert sind.
Das vollständige deutsche Hintergrungpapier wird voraussichtlich am 4. November an dieser Stelle publiziert. Die englische Version finden Sie schon jetzt hier.