Berlin/Bonn (4. Nov. 2026). Die am Montag beginnende Weltklimakonferenz COP31 im türkischen Antalya sieht die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch als Bewährungsprobe für die Weltgemeinschaft: Gelingt es inmitten des globalen Tauziehens zwischen den Klimaschutz vorantreibenden Staaten und der Gruppe von Staaten, die ihre fossilen Interessen verteidigen, Durchbrüche für entschlosseneres und schnelleres Handelns zu erreichen? Die Zeit drängt, denn die Wissenschaft ist sicher: Die globale Erderhitzung kann nur noch nach einem zeitweisen Überschießen bis 2100 unter der Großgefahrenschwelle von 1,5 Grad Erwärmung begrenzt werden.
„Öl, Gas und Kohle sind Hochrisiko-Energien. Die notwendige Antwort darauf ist ein kräftiger Schub für die wettbewerbsfähige Elektrifizierung und für Erneuerbare Energien. Den brauchen wir bei der Weltklimakonferenz in Antalya. Nachdem 2025 die globalen Emissionen endlich nicht oder kaum noch weiter gestiegen sind, kann nun eine schnelle Reduktion der Emissionen den Weg bahnen, bis Ende des Jahrhunderts wieder unter die 1,5 Grad-Grenze zu kommen”, sagt Christoph Bals, Politik-Vorstand bei Germanwatch. “Entscheidend für mehr Klimaschutz sind auf dieser COP vor allem breite Vorreiter-Bündnisse von Staaten, um das Handeln global zu beschleunigen und gerade auch für die besonders verletzlichen und wirtschaftlich am wenigsten entwickelten Länder Wege aus der fossilen Abhängigkeit zu ermöglichen. Ergänzend zum exponentiellen Wachstum von Erneuerbaren und Speichern geht es diesmal vor allem um die Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Wirtschaft. Das senkt die Abhängigkeit von Öl und Gas am schnellsten. Für die ärmeren Staaten muss der Weg gebahnt werden, wie sie die notwendigen Investitionen stemmen können, ohne die Schulden weiter nach oben zu treiben. Außerdem ist es wichtig, die Methanemissionen sehr zügig herunterzufahren, damit die Rückkehr zur 1,5 Grad-Grenze in Reichweite bleibt.”
Freiwillige Bündnisse dürfen nicht zu Etikettenschwindel führen
Petter Lydén, Leiter des Bereichs Internationale Klimapolitik bei Germanwatch, ergänzt: „Solche Bündnisse dürfen keinen Etikettenschwindel zulassen. Jede Initiative braucht klare Zuständigkeiten, Fristen und eine öffentliche Überprüfung der Fortschritte. Im Rahmen der anstehenden Ausgestaltung der zweiten Bestandsaufnahme unter dem Pariser Klimaabkommen bis 2028 sollten die Staaten zudem klären, wie die Ergebnisse der Vorreiterallianzen in der Bestandsaufnahme reflektiert werden - und auch, wie diese Bestandsaufnahme auf die aktuelle Wissenschaft zurückgreifen wird.”
Für diese COP fordert Germanwatch, dass die Regierungen zeigen, wie weit sie bisher bei der 2023 beschlossenen Verdreifachung der erneuerbaren Energien, der Verdopplung der Energieeffizienz und dem Stopp der Entwaldung bis 2030 gekommen sind. In Deutschland und der EU geht es konkret um die Frage, wie der Fahrplan für die Abkehr von fossilen Energien mit einer Elektrifizierungs-Strategie untermauert werden könnte.
Gleichzeitig steuert die Welt auf eine schwere Lebensmittelpreiskrise im Jahr 2027 zu. Wie auch die FAO warnt, droht ein gefährliches Zusammenspiel aus Dürren, Überschwemmungen, El Niño und einer durch die Lage in der Straße von Hormus verschärften Düngemittel-Knappheit. “Gerade vor diesem Hintergrund müssen die Staaten auf der COP die Zusammenarbeit bei der Anpassung an den Klimawandel voranbringen. Und spätestens zur Weltklimakonferenz in Äthiopien 2027 müssen traditionelle Geberländer und Entwicklungsbanken Klarheit darüber schaffen, wie sie die Anpassungsfinanzierung in den kommenden Jahren sichern wollen”, so Lydén.
Klimafinanzierung ist notwendige und lohnende Investition
Bei der internationalen Klimafinanzierung sieht Germanwatch insgesamt dringenden Handlungsbedarf - auch in Deutschland. Die aktuellen Haushalte der Industriestaaten bleiben weit hinter dem Notwendigen und Versprochenen zurück. Dabei hatte Kanzler Merz letztes Jahr bei der COP zugesichert, ein verlässlicher Partner zu bleiben. „Die Industriestaaten müssen ihre öffentliche Klimafinanzierung als lohnende Investition verstehen und deutlich erhöhen. Klimafinanzierung verbessert die internationale Sicherheit, macht Lieferketten stabiler und führt zu belastbaren Partnerschaften. Um die notwendigen Summen zu mobilisieren, müssen wir gerade jetzt ehrlich nach dem Verursacher-Prinzip handeln. Das heißt, wer viel emittiert - als fossiler Konzern oder Superreicher - sollte seinen fairen Anteil für Klimaschutz und -anpassung zahlen, über Steuern oder Abgaben“, fordert Ute Sudmann, Leiterin des Bereichs Zukunftsfähige Finanzflüsse bei Germanwatch. Die COP31 sollte einen Weg aufzeigen, wie die bereits vereinbarten Klimafinanzierungsziele von 300 Milliarden US-Dollar jährlich bis zum Jahr 2035 erreicht werden können - mit klaren Zwischenzielen. Andernfalls drohen viele notwendige Klimaschutz und -anpassungsmaßnahmen mangels Finanzierung in den Ländern des Globalen Südens zu scheitern.
Germanwatch fordert die Bundesregierung auf, Klarheit für den notwendigen Zuwachs der deutschen Klimafinanzierung zu schaffen. Deutschlands öffentlicher Beitrag zur internationalen Klimafinanzierung ist von 6,1 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 4,7 Milliarden Euro im Jahr 2025 gesunken. „Die Bundesregierung muss sagen, wie viele öffentliche Mittel sie in den kommenden Jahren für Klimafinanzierung bereitstellt und wie ein verlässlicher Anstiegspfad aussehen soll. Es ist extrem kurzsichtig, dass die Bundesregierung in Zeiten massiv wachsender Schäden und Gefahren durch die Klimakrise das Geld zusammenstreicht“, so Ute Sudmann.
Pressemitteilung |
Allianzen von Staaten können Klimaschutz und Resilienz weltweit beschleunigen - gerade auch für die Verletzlichsten
Weltklimakonferenz wird zur Bewährungsprobe: Regierungen müssen weltweit den Weg weg von der fossilen Abhängigkeit und hin zur Erneuerbaren Elektrifizierung bahnen - gerade auch den wirtschaftlich weniger starken Ländern / Größte Chancen liegen in Bündnissen und Initiativen von Staaten / Bundesregierung muss bei Klimafinanzierung zeigen, dass sie zu ihrer Verantwortung steht