Gerechter Zugang zu Energie in Indien

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Gerechter Zugang zu Energie in Indien

Subventionen für fossile Brennstoffe komme nicht den Armen zugute

 

Subventionen für fossile Brennstoffe sind in Indien nichts Neues. Sie sind gängige Praxis seit der Unabhängigkeit Indiens 1947 und wurden erstmals bereits während des Zweiten Weltkrieges eingeführt, als Indien noch unter britischer Herrschaft stand.

Eines der ersten subventionierten Erdölprodukte in Indien war Kerosin. Durch die Subventionierung sollte die Verteilung gesichert werden, um so gegen die akute Knappheit von Kerosin und anderen Brennstoffen während des Zweiten Weltkrieges anzugehen. Diese Subventionen dienten auch der Regulierung der Nachfrage, da subventioniertes Kerosin über ein extra zu diesem Zweck geschaffenes, öffentliches Verteilungssystem
(„Public Distribution System”) verteilt wurde. Nach dem Krieg, als sich die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und anderen Gütern verbesserte, wurde das Verteilungssystem abgeschafft, die Subventionen für Kerosin aber blieben.

Um den Pro-Kopf-Energieverbrauch zu steigern, führte die indische Regierung Ende der 1960er Jahre Subventionen für „Liquefied Petroleum Gas (LPG)” – Flüssiggas – ein. Sie wollte die Haushalte dazu ermuntern, LPG statt „traditioneller Biomasse” zum Kochen zu verwenden. Während die Subventionen für LPG in ganz Indien galten, beschränkte sich die Verfügbarkeit von LPG jedoch auf städtische Gebiete; Flüssiggas zu nutzen bedeutete außerdem, moderne Öfen zu kaufen. Deshalb profitierten von subventioniertem LPG vor allem die Reichen und die Mittelschicht. Das ist selbst heute noch so – mehr als 50 Jahre nach Einführung der Subvention.

Wenngleich die starke Subventionierung von Flüssiggas für die Regierung eine „Politik für die Armen” ist, muss festgestellt werden, dass auch heute nur fünf Prozent der Bevölkerung ländlicher Gebiete Zugang zu LPG haben und ansonsten Feuerholz zum Heizen verwenden. Sowohl Kerosin als auch Strom werden in Indien hauptsächlich zur Beleuchtung genutzt. Die Subventionen für Kerosin und Strom dienen also dazu, die Haushalte mit ausreichend Licht zu einem erschwinglichen Preis zu versorgen. Studien zeigen jedoch, dass KonsumentInnen im ländlichen Raum einen viel höheren Preis zahlen als StadtbewohnerInnen, weil sie sowohl den subventionierten Strom als auch das subventionierte Kerosin – wenn die Stromversorgung ausfällt – bezahlen müssen; während die StadtbewohnerInnen nur für Elektrizität zahlen.

Hieraus lässt sich klar schließen, dass diese Verbrauchssubventionen nicht zu einem gerechten Zugang zu Energie beitragen. Deshalb ist eine
gründliche Prüfung und Reform der Politiken notwendig – nicht nur um sicherzustellen, dass die Subventionen bei den Armen ankommen, sondern noch wichtiger um den Armen Zugang zu nachhaltiger, erschwinglicher und sauberer Energie zu ermöglichen. Dies wiederum können Erneuerbare Energien leisten.

Srinivas Krishnaswamy,
Gründer und Leiter der Vasudha Foundation in Indien

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