Das unternehmensübergreifende Beschwerdesystem der deutschen Automobilindustrie in Mexiko startete im Mai 2024 als vielversprechendes Projekt. Unternehmen, zivilgesellschaftliche Organisationen und Gewerkschaften des Automobildialogs hatten ihn gemeinsam ins Leben gerufen. Ziel war es, Betroffenen von Menschenrechtsverstößen in den Lieferketten deutscher Automobilhersteller zu ermöglichen, tatsächliche und potenzielle Rechtsverstöße in Mexiko zu melden und Unterstützung bei der Aufklärung sowie Zugang zu Abhilfe zu erhalten.
Obwohl die Entwicklung des gemeinsamen Beschwerdesystems nachweislich zur Verbreitung von Wissen über eigene Rechte und Handlungsmöglichkeiten sowie der Bearbeitung mehrerer Konfliktfälle geführt hat, wurde das Projekt nun vorzeitig eingestellt.
Die vorliegende Publikation reflektiert die Perspektive der beteiligten Nichtregierungsorganisationen – ProDESC, Fundación Avina und Centro de Información sobre Empresas y Derechos Humanos sowie Germanwatch, INKOTA und WEED – auf das Scheitern des Prozesses. Kerngründe liegen in sinkenden politischen und unternehmerischen Ambitionen hinsichtlich der Unternehmensverantwortung in Europa sowie deutlichen Schwächen in der Ausgestaltung des Mechanismus. Das Instrument unternehmensübergreifender Beschwerdesysteme an sich halten alle beteiligten Organisationen hingegen weiter für einen wichtigen Hebel zur Umsetzung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten, das – auch mit Blick auf die hier gezogenen Lehren – weiterentwickelt werden sollte.
Publikationsdaten
Veröffentlichung:Jesus Guarneros
Sarah Guhr
Anne Neumann
Anton Pieper
Agnieszka Raczynska
Eduardo Villarreal