Im November 2025 fand in Belém (Brasilien) die 30. Weltklimakonferenz (COP30) statt. Wie in den Jahren zuvor kamen wieder viele Länder der Welt zusammen, um über den Umgang mit der Klimakrise zu beraten. Auf der CO30 ging es vor allem um zwei große Fragen:
- Wie können sich Menschen und Länder besser an die Folgen des Klimawandels anpassen?
- Wie kann die Erderwärmung langfristig auf unter 1,5 Grad Celsius begrenzt werden?
In diesem Blog erklären wir, was auf der COP30 besprochen wurde, welche Ergebnisse es gab und was jetzt bis zur nächsten Klimakonferenz passieren muss.
Germanwatch
Warum war die COP30 so wichtig?
Die Welt steckt derzeit in vielen Krisen. Zudem sind die USA aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen. Umso wichtiger war es, dass sich viele andere Länder an einen Tisch gesetzt haben, um gemeinsam über Lösungen für die Klimakrise zu sprechen. Dabei gab es zwar einige Fortschritte, trotzdem hat die COP30 keine ausreichende Antwort auf die Klimakrise geliefert. Ein Fahrplan für den Ausstieg aus den fossilen Energien wurde von über 80 Ländern unterstützt. Am Ende wurde er jedoch von Ländern blockiert, die noch viel Geld mit Kohle, Öl und Gas verdienen.
Auch die besonders verletzlichen Länder, die schon heute stark unter der Klimakrise leiden, bekommen weiterhin nicht genug Unterstützung. Das betrifft den Klimaschutz, die Anpassung an den Klimawandel und den Umgang mit klimabedingten Verlusten und Schäden.
Anpassung: Mit den Folgen des Klimawandels leben
Durch die Erderwärmung gibt es immer mehr extreme Wetterereignisse, wie Stürme, Starkregen, Dürren und großflächige Waldbrände. Sie zerstören Häuser, Naturräume und oft auch Menschenleben. Deshalb müssen sich Länder besser auf diese Folgen vorbereiten: Sie müssen sich an den Klimawandel anpassen. Das heißt, die Länder müssen Strategien, Pläne und Werkzeuge entwickeln, um mit diesen extremen Wetterereignissen besser umgehen zu können.
Chris Gallagher | Unsplash
Das Globale Anpassungsziel
Schon 2015 wurde im Pariser Klimaabkommen das Globale Anpassungsziel beschlossen. Es soll zeigen, wie gut Länder auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet sind. Dafür braucht man gemeinsame Messgrößen, sogenannte Indikatoren. Diese messen zum Beispiel:
- wie viel Geld ein Land für Anpassung ausgibt
- ob es genug Fachwissen und Strukturen im Land gibt
Vor der COP wurden über 100 Indikatoren vorgeschlagen. Am Ende wurden nur 59 davon angenommen.
Positiv ist: Die Indikatoren zeigen nun, wie viel Geld, technische Hilfe und staatliche Strukturen es für Anpassung an den Klimawandel bereits gibt in einem Land. Darüber hatten die Staaten zuvor lange gestritten.
Negativ ist: Viele der beschlossenen Indikatoren sind unvollständig und schwer messbar. Sie sind oft das Ergebnis politischer Kompromisse und nicht immer fachlich gute Lösungen, die auf technischem Expertenwissen beruhen. Deshalb sind sie wissenschaftlich nicht ausreichend zuverlässig und decken nicht alle Unterziele des Globalen Anpassungsziels ab. Sie müssen noch weiter verbessert werden.
Der Baku-Anpassungsfahrplan
Ein weiteres Ergebnis ist der Baku-Anpassungsfahrplan. Er soll helfen, Anpassungsmaßnahmen besser zu planen und zwischen den Ländern abzustimmen. Wie das genau funktionieren soll, ist aber noch offen.
Fazit zur Anpassung
Die COP30 hat das Thema Anpassung zwar ein Stück vorangebracht. Einen großen Durchbruch gab es aber nicht. Die Ergebnisse sind vor allem politische Kompromisse. Für einen echten Schutz der Menschen und Länder vor den Folgen des Klimawandels wäre jedoch deutlich mehr nötig.
Nationale Klimaziele: Länder müssen mehr tun
Die nationalen Klimaziele sind ein zentraler Teil des Pariser Klimaabkommens von 2015. In diesen Zielen steht zum Beispiel, wie viele Treibhausgase ein Land einsparen will, um die Erderwärmung zu begrenzen.
Das Problem: Die bisherigen Klimaziele reichen bei weitem nicht aus.
Eine Überprüfung auf der COP28 zeigte: Selbst wenn alle Länder ihre aktuellen Ziele erreichen würden, könnte sich die Erde um 2,1 bis 2,8 Grad erwärmen. Erlaubt sind aber höchstens 1,5 Grad. Alle fünf Jahre müssen die Länder ihre Klimaziele verbessern. 2025 war wieder so ein Jahr.
Was auf der COP30 erreicht wurde:
Einige Länder stellten auf der COP30 neue Klimaziele vor, darunter Mexiko, Bhutan und der Irak. Insgesamt gab es bei den nationalen Klimazielen aber kaum Fortschritte.
Die Klimaziele sind kein offizielles Verhandlungsthema. Trotzdem wurden sie in der Abschlusserklärung Brasiliens erwähnt. Darin wurde betont, dass die Staaten mehr tun müssen, um ihre nationalen Klimaziele umzusetzen und zu verbessern.
Aber: Die große Lücke zwischen den nationalen Zielen und dem 1,5-Grad-Ziel wurde nicht klar benannt. Fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas wurden nicht einmal erwähnt, obwohl sie die Hauptursache für Emissionen sind. Statt konkreter Lösungen wurden zwei neue, noch sehr vage Initiativen gestartet:
- der „Globale Implementierungsbeschleuniger“ und
- die „Bélem Mission to 1.5“.
Zusätzlich wurden zwei Fahrpläne außerhalb des eigentlichen Klimakonferenzprozesses vorgestellt: einer zum Ausstieg aus fossilen Energien und einer gegen Entwaldung. Diese Initiativen müssen nun konkretisiert werden.
Deutschland und die EU müssen außerdem mehr tun, um Vertrauen zwischen ihnen und dem Globalen Süden aufzubauen. Nur so können starke Bündnisse für mehr Klimaschutz entstehen, um gemeinsam die Emissionslücke zu schließen.
VanderWolf Images | shutterstock
Emissionsminderung: Weg von Kohle, Öl und Gas
Um den Klimawandel zu stoppen, müssen wir aufhören, fossile Rohstoffe zu verbrennen. Schon 2023 wurde auf der Klimakonferenz in Dubai beschlossen, Kohle, Öl und Gas schrittweise zu ersetzen. Bis 2030 sollen erneuerbare Energien wie Wind und Sonne verdreifacht werden. Außerdem soll Energie doppelt so effizient genutzt werden, sodass wir insgesamt weniger verbrauchen.
Zu Beginn der COP30 unterstützten fast 90 Staaten die Idee, einen globalen Fahrplan für den Ausstieg aus fossilen Energien zu entwickeln. Doch der Prozess scheiterte an zwei bereits bekannten Hindernissen:
- Der Globale Norden bot kein Geld an, insbesondere nicht für Anpassungsmaßnahmen. Ohne konkrete finanzielle Hilfe kann eine Allianz aber nicht glaubwürdig oder wirksam sein.
- In den letzten Stunden der COP30 verhinderten Saudi-Arabien, Russland, China, Indien und Nigeria eine klare Linie zum Ausstieg aus fossilen Energien.
Nun wird außerhalb der Verhandlungen weitergearbeitet. Brasilien treibt den Prozess voran. Kolumbien und die Niederlande organisieren die erste weltweite Konferenz für einen gerechten Übergang weg von fossilen Energieträgern.
Auf der COP31 in Antalya müssen sich die Länder auf einen offiziellen Prozess einigen.
Gerechter Übergang („Just Transition“)
Klimaschutz muss gerecht sein. Deshalb wurde ein Programm für einen gerechten Übergang (englisch: „Just Transition“) gestartet. Es soll dafür sorgen, dass beim Übergang zu einer klimafreundlichen Wirtschaft niemand benachteiligt wird. In Belém gab es hier nun Fortschritte: Die Länder haben beschlossen, einen Mechanismus für einen gerechten Übergang zu entwickeln. Jetzt ist es wichtig, wie dieser umgesetzt wird.
Klimafinanzierung: Zu wenig Geld für den Globalen Süden
Klimafinanzierung bedeutet: Länder im Globalen Süden bekommen Geld für Klimaschutz, Anpassung und für den Umgang mit Schäden. Ab 2035 sollen „entwickelte Länder“ (also vor allem Industrieländer) jedes Jahr mindestens 300 Milliarden US-Dollar für den Klimaschutz im Globalen Süden bereitstellen. Das reicht aber bei weitem nicht aus! Benötigt werden etwa 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr. Das haben die Länder im Jahr 2024 auf der COP29 anerkannt.
Diese Finanzierungslücke soll durch öffentliches (z. B. staatliches Geld) und privates Geld (z. B. Kredite von Unternehmen) geschlossen werden. Dafür gibt es jetzt die Baku-to-Belém Roadmap. Sie wurde von der aserbaidschanischen und der brasilianischen COP-Präsidentschaft entwickelt und auf der Konferenz erst sehr spät vorgestellt: Bis sechs Tage vor der COP30 war nicht klar, wie dieser Fahrplan aussehen wird und wie er umgesetzt wird. Und weil er so spät veröffentlicht wurde, wurde der Fahrplan auch kaum diskutiert. Die Umsetzung ist leider immer noch unklar. Deswegen braucht es jetzt freiwillige Koalitionen aus Ländern, die hier eine Vorreiterrolle übernehmen.
Sebastian Noethlichs | shutterstock
Anpassungsfinanzierung
Im neuen Klimafinanzierungsziel gibt es kein eigenes Ziel für die Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen. In Belém wurde deshalb jetzt ein neues Anpassungsfinanzierungsziel beschlossen: Bis 2035 sollen die Mittel für Anpassung verdreifacht werden. Es ist jedoch unklar, von welchem Wert dabei ausgegangen wird und wer zahlen soll. Bereits jetzt verstehen Länder dieses Ziel sehr unterschiedlich.
Positiv ist die geplante Verdreifachung der UN-Klimafonds. Trotzdem zeigen sich große Probleme bei der Umsetzung. Der Anpassungsfond und der Fonds für den Umgang mit klimawandelbedingten Verlusten und Schäden haben viel zu wenig finanzielle Mittel zugesagt bekommen.
Verluste und Schäden: Große Versprechungen, wenig Geld
Für besonders betroffene Länder gibt es seit der COP27 in Ägypten einen Fonds für Verluste und Schäden– ein echter Meilenstein. Die Einzahlungen sinken jedoch in den letzten Jahren immer weiter:
- COP28: 700 Millionen US-Dollar
- COP29: 56 Millionen US-Dollar
- COP30: 20 Millionen US-Dollar (von Spanien)
Das reicht bei weitem nicht aus, um die Bedürfnisse der am stärksten betroffenen Menschen zu decken. Länder des Globalen Nordens müssen den Fonds dauerhaft und verlässlich finanzieren.
Auf der COP30 wurde außerdem ein Bericht beschlossen, um zu ermitteln, wo genau Geld oder technische Unterstützung fehlen. Solche Berichte gibt es bereits für andere Themen, zum Beispiel für die Anpassung an den Klimawandel und für Emissionsminderung. Der neue Bericht zeigt jedoch nur den aktuellen Stand und nicht die tatsächlichen Finanzierungslücken. Außerdem wird er nicht jährlich erstellt.
PARALAXIS | shutterstock
Ernährungssysteme: Ein unterschätztes Klimathema
Etwa ein Drittel der weltweiten Emissionen hängt mit Ernährung zusammen. Gleichzeitig leidet die Landwirtschaft stark unter dem Klimawandel. Denn die steigende Erderwärmung führt zu unberechenbarem und extremem Wetter. Sie schadet Pflanzen und Böden und zerstört Ernten, sodass weniger Nahrungsmittel für alle da sind. Deshalb müssen wir dringend ändern, wie wir Lebensmittel produzieren, wie und was wir anbauen, ernten und durch die Welt verschicken.
Trotz ihrer enormen Bedeutung spielten Ernährungssysteme auf der CP30 nur eine Nebenrolle. In den eigentlichen Verhandlungen wurden sie kaum berücksichtigt. Eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln ist jedoch auch für andere Bereiche ein wichtiges Thema, etwa für die nationalen Klimaziele oder bei der Anpassung an den Klimawandel.
Positiv ist: Ernährungssysteme sind nun mit fünf Indikatoren Teil des Globalen Anpassungsziels. Einige davon sind allerdings noch nicht messbar. Außerdem wurde eine Erklärung zu Hunger, Armut und menschenzentrierten Klimaschutz verabschiedet.
Ausblick: Nächste COP in Antalya
Die nächste Weltklimakonferenz, die COP31, findet vom 9. bis 20. November in Antalya (Türkei) statt. Dort müssen aus vielen Ankündigungen endlich konkrete, wirksame Maßnahmen werden.